Praktische Pflege

Was darf man bei Diabetes eigentlich essen? Die größten Mythen im Faktencheck

Anna-Kristin Steiner
Autorin
23. Februar 2026
Veröffentlicht am

Der Kaffee ist eingeschenkt. Der Kuchen steht auf dem Tisch. Für viele ist das ein normaler Moment. Wenn bei Ihrer pflegebedürftigen Person Diabetes eine Rolle spielt, tauchen oft Fragen auf. Darf man zugreifen? Oder lieber verzichten?

Wenn Diabetes zum Alltag gehört, bekommt die Ernährung eine neue Bedeutung. Nicht, weil Genuss keinen Platz mehr. Sondern weil Unsicherheit entsteht: Was beeinflusst den Blutzucker? Was ist gut verträglich?

Vielleicht erleben Sie als pflegende Person diese Unsicherheit mit. Der Wunsch, alles richtig zu machen, trifft auf alte Regeln und widersprüchliche Ratschläge. Viele Mythen halten sich hartnäckig. Wir schauen uns die wichtigsten an.

Mythos 1: „Bei Diabetes darf man kaum noch etwas essen.“

Fakt: Entscheidend ist das Gesamtbild, nicht einzelne Verbote.

Es gibt keine spezielle „Diabetes-Diät“. Was zählt, ist der Alltag. Wann und was man bei Diabetes essen darf, entscheidet die gesamte Ernährung und nicht eine Mahlzeit. 

Denn was und wann gegessen wird, spielt in der Diabetes-Behandlung allgemein eine wichtige Rolle. Wenn Sie verstehen, wie Diabetes und Ernährung zusammenhängen, können Sie Ihre angehörige Person bewusster unterstützen. Ohne ständig auf Verbote zu achten und sich zu fragen: „Was darf man bei Diabetes überhaupt?“

Warum die Ernährung bei Diabetes eine Rolle spielt

Kohlenhydrate aus Lebensmitteln wie Brot, Kartoffeln oder Obst werden im Körper zu Zucker umgebaut. Insulin sorgt normalerweise dafür, dass der Zucker in die Zellen gelangt.

Ernährung ist ein wichtiges Puzzleteil im Umgang mit Diabetes.

Bei Diabetes klappt das nicht richtig. Entweder wird zu wenig Insulin gebildet, oder es wirkt nicht ausreichend. Deshalb steigt der Blutzucker stärker und bleibt länger erhöht. Essen beeinflusst den Blutzucker dadurch mehr als bei Menschen ohne diese Stoffwechselerkrankung. Kein Wunder also, dass im Zusammenhang mit Diabetes oft die Frage auftaucht: Was darf man essen?

Tipp: Eine ausgewogene Mahlzeit aus Kohlenhydraten, Eiweiß und gesunden Fetten kann den Blutzucker stabiler halten. Das erleichtert häufig die Tagesplanung, gerade bei der Diabetes-Ernährung von Senioren und Seniorinnen.

Mythos 2: „Alle Kohlenhydrate sind schlecht.“

Fakt: Kohlenhydrate wirken unterschiedlich.

Was passiert im Körper, wenn man bestimmte Lebensmittel isst?

Manche Lebensmittel lassen den Blutzucker schnell steigen, andere wirken langsamer.

  • Schnell wirksame Kohlenhydrate in Lebensmitteln wie Weißbrot, Süßigkeiten oder gezuckerte Getränke lassen den Blutzucker oft rasch steigen.
  • Langsam wirksame Kohlenhydrate in Lebensmitteln wie Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse oder ballaststoffreiches Obst werden langsamer verdaut. Auch Eiweiß und gesunde Fette können als Teil der Mahlzeit den Blutzuckeranstieg abfedern. Ein Vollkornbrot mit Quark sorgt deshalb meist für einen gleichmäßigeren Blutzuckerverlauf als eine Scheibe Weißbrot.

Tipp für den Alltag: Beobachten Sie gemeinsam, welche Lebensmittel gut tun. Lebensmittel, die den Blutzucker mäßig ansteigen lassen, bringen oft mehr Vorhersehbarkeit. So entsteht Sicherheit.

Mythos 3: „Es gibt viele verbotene Lebensmittel bei Diabetes.“

Fakt: Verbote und strenge Regeln helfen selten. Ausgewogenheit zählt mehr.

Diabetes und Ernährung: Worauf es ankommt

Eine gute Nachricht gleich vorneweg: Verbotene Lebensmittel gibt es bei Diabetes grundsätzlich nicht. Starre Diäten gehören der Vergangenheit an.

Die Frage „Was darf man bei Diabetes essen?“ hängt von mehreren Punkten ab. Was für eine Person gut funktioniert, muss nicht für jede andere gleich wirksam sein. Deshalb sollte die Ernährung individuell angepasst sein.

Dazu beeinflussen Bewegung, Gewicht, Medikamente, Tageszeit und die Zusammensetzung der Mahlzeit den Blutzucker. Auch kleine Naschereien dürfen sein, solange sie in den Tagesablauf passen.

Tipp: Beobachten Sie gemeinsam, wie Mahlzeiten wirken und führen Sie ein einfaches Protokoll. Was wurde gegessen, wie war die Bewegung, wie war der Blutzucker? Das kann helfen, Zusammenhänge besser zu verstehen.

Mythos 4: „Zucker ist bei Diabetes tabu.“

Fakt: Zucker ist in passenden Mengen erlaubt.

Diabetes und Zucker: Wie viel ist erlaubt?

Ein kleines Stück Schokolade oder ein süßer Abschluss nach dem Essen sind möglich. Ausschlaggebend ist, wie oft und wie viel Zucker gegessen wird.

Zucker in Maßen ist erlaubt. Wichtig ist die richtige Menge und der Zusammenhang mit der gesamten Mahlzeit.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, freie Zucker – also zugesetzten Zucker in Süßigkeiten, Gebäck oder Limonade – auf unter 10 % der täglichen Energiezufuhr zu begrenzen. Bei einem Tagesbedarf von 2000 Kalorien entspricht das maximal 50 Gramm Zucker.

Für den Alltag heißt das: Süßes darf sein, aber am besten nicht allein. Nascht man zusammen mit Eiweiß, Vollkorn oder Gemüse, steigt der Blutzucker langsamer an.

Mythos 5: „Obst ist bei Diabetes problematisch“

Fakt: Obst darf sein. Die Sorte und die Portionen zählen.

Diabetes und Obst: Was ist erlaubt?

Obst enthält Zucker, aber auch Ballaststoffe. Sie verlangsamen die Zuckeraufnahme ins Blut.

Besonders geeignet für Menschen mit Diabetes ist ballaststoffreiches, zuckerarmes Obst wie Beeren. Vorsicht: Sehr süße Früchte wie Trauben können den Blutzucker schneller ansteigen lassen.

Tipp: Obst mit Joghurt, Quark oder Nüssen kombinieren. Und lieber kleine Portionen einplanen.

Diabetes: Alltagstipps fürs Essen

Menschen mit Diabetes ihre Ernährung bewusst planen und kombinieren, können schon ein paar einfache Regeln den Alltag entspannen.

Beim Einkauf auf frische, natürliche Produkte achten. So bleibt der Blutzucker leichter im Gleichgewicht.

1. Regelmäßig essen: Feste Essenszeiten vermeiden Blutzucker-Schwankungen.

2. Teller-Modell: Halber Teller Gemüse (und Obst), ein Viertel Eiweiß (z. B. Quark, Fisch), ein Viertel Kohlenhydrate (z. B. Vollkorn).

3. Snacks: Gemüsesticks, Nüsse oder Obst mit Joghurt können plötzlichen Hunger stillen.

4. Bewegung: Ein kurzer Spaziergang nach dem Essen kann Blutzucker und Verdauung unterstützen.

6. Viel trinken: 1,5–2 Liter Wasser am Tag, zuckerhaltige Getränke meiden.

7. Alkohol: Höchstens in Maßen und am besten aber vermeiden.

8. Einkaufen: Auf Zutatenlisten achten, frische, natürliche Produkte bevorzugen.

Beim Thema „Was darf man bei Diabetes essen?“ geht es nicht um strenge Regeln und Verbote. Es geht darum, zu verstehen, wie Mahlzeiten wirken und wie sich Lebensmittel gut kombinieren lassen. Dann lassen sich Entscheidungen sicherer treffen und der Alltag entspannter gestalten.

Deutsche Diabetes Gesellschaft. (2015). PatientenLeitlinie zur Nationalen VersorgungsLeitlinie „Therapie des Typ-2-Diabetes“ (1. Auflage, Version 1). Internetlink: https://www.ddg.info/fileadmin/user_upload/05_Behandlung/01_Leitlinien/Patientenleitlinien/dm-therapie-1aufl-vers1-pll_1_.pdf (letzter Aufruf: 6.1.26)

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diabetesDE – Deutsche Diabetes‑Hilfe. (o. J.). Wie wird Diabetes behandelt?
Internetlink: https://www.diabetesde.org/wie-wird-diabetes-behandelt (letzter Aufruf: 6.1.26)

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Internetlink: https://iris.who.int/server/api/core/bitstreams/e14490d6-dba9-4994-aeef-0a2abb73d09c/content (letzter Aufruf: 6.1.26)

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Internetlink: https://www.cdc.gov/diabetes/healthy-eating/diabetes-meal-planning.html (letzter Aufruf: 6.1.26)

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Internetlink: https://www.health.harvard.edu/diseases-and-conditions/healthy-eating-for-blood-sugar-control (letzter Aufruf: 6.1.26)

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