Zum Inhalt springen
Pflegerecht & Leistungen

Wenn Pflege zur Herausforderung wird: So hilft Ihnen eine Pflegeberatung

Porträt von Anna-Kristin Steiner, curendo-Teammitglied
Anna-Kristin Steiner
Autorin
4. August 2026
Veröffentlicht am
Berater zeigt einem älteren Mann lächelnd Informationen auf einem Tablet

Ein Elternteil braucht plötzlich Hilfe im Alltag. Ein Partner kommt nach einem Krankenhausaufenthalt nicht mehr allein zurecht. Viele Angehörige rutschen Schritt für Schritt in die Pflege hinein, oft ohne Vorbereitung. Neben der seelischen Belastung tauchen schnell praktische Fragen auf: Welche Leistungen stehen uns zu? Wer hilft bei Anträgen? Wie kann ich die Pflege organisieren, ohne selbst auszubrennen?

Genau hier setzt die Pflegeberatung an. Sie gibt Orientierung in einer Situation, die für viele Familien neu, komplex und auch überfordernd sein kann. Es geht darum, Betroffene und ihre Angehörigen dabei zu unterstützen, eine passende Versorgung aufzubauen und vorhandene Hilfen zu nutzen. Niemand muss sich allein durch Formulare, Zuständigkeiten und Angebote kämpfen.

Was ist Pflegeberatung?

Viele stellen sich zunächst die Frage: Was ist eine Pflegeberatung eigentlich?

Pflegeberatung ist eine individuelle, neutrale Unterstützung rund um die Organisation und Alltag von Pflege. Sie richtet sich an pflegebedürftige Menschen ebenso wie an Angehörige. Ziel ist es, gemeinsam zu klären, welche Hilfen nützlich sind und welche Leistungen der Pflegeversicherung oder anderer Stellen in Frage kommen.

Ein zentraler Bestandteil ist die sogenannte Pflegeberatung nach § 7a SGB XI. Pflegeberatende helfen dabei, die persönliche Situation zu erfassen und einen Versorgungsplan zu erstellen. Der Plan kann beispielsweise aufzeigen, welche ambulanten Dienste sinnvoll sind, ob Hilfsmittel benötigt werden oder welche EntlastungsangeboteAngehörige nutzen können. Die Beratung kann einmalig sein, aber auch länger begleiten, wenn sich die Situation verändert.

Wer macht Pflegeberatung?

Die Frage „Wer macht Pflegeberatung?” ist wichtig, weil viele nicht wissen, an wen sie sich wenden sollen. Grundsätzlich gibt es mehrere Ansprechpartner:

Älteres Paar schaut gemeinsam konzentriert auf einen Laptop

Pflegeberatung ist über Pflegekassen, Pflegestützpunkte oder kommunale Beratungsstellen erreichbar.

  • Pflegekassen: Menschen mit anerkanntem Pflegegrad haben nach § 7a SGB XI Anspruch auf eine persönliche Pflegeberatung. Die Pflegekassen stellen dafür qualifizierte Pflegeberatende bereit oder beauftragen Fachstellen. Die Fachkräfte kennen die Leistungen der Pflegeversicherung und stehen bei der Organisation aller notwendigen Hilfen zur Seite.
  • Pflegestützpunkte: Die trägerneutralen Anlaufstellen beraten pflegebedürftige Menschen und Angehörige unabhängig von einzelnen Pflegediensten oder Anbietern. Sie geben Orientierung zu Versorgung, Leistungen und Entlastungsmöglichkeiten.

Entscheidend ist, den ersten Schritt zu machen und Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Wann haben Sie Anspruch auf Pflegeberatung?

Die gute Nachricht: Pflegeberatung ist keine Sonderleistung. Sie ist ein fester Anspruch innerhalb der Pflegeversicherung. Menschen mit anerkanntem Pflegegrad haben das Recht auf eine persönliche Pflegeberatung durch ihre Pflegekasse. Auf Wunsch können auch Angehörige oder andere Pflegepersonen einbezogen werden. Vorausgesetzt, die pflegebedürftige Person ist damit einverstanden.

Die Pflegeberatung nach § 7a SGB XI ist kostenfrei. Sie unterstützt Sie dabei, passende Hilfen zu finden, Leistungen aufeinander abzustimmen und eine Versorgung aufzubauen, die wirklich zu Ihrer Situation passt. Dabei geht es um ganz praktische Fragen: Welche Leistungen stehen mir zu? Was erleichtert den Alltag? Welche Angebote ergänzen sich gut?

Wichtig zu wissen: 

  • Pflegeberatung dürfen nur zugelassene, qualifizierte Stellen durchführen. Die Pflegekasse stellt dafür einen Beratungsgutschein mit der zuständigen Stelle aus. Privatversicherte wenden sich an die compass private Pflegeberatung GmbH des PKV-Verbands.
  • Bis zum 31. März 2027 kann auf Wunsch jede zweite Beratung per Videokonferenz stattfinden.
  • Nicht mit der Pflegeberatung zu verwechseln sind die Beratungsbesuche nach § 37 Abs. 3 SGB XI. Diese verpflichtenden Hausbesuche gelten für Pflegebedürftige, die Pflegegeld erhalten und zu Hause versorgt werden. Dabei kommt eine Pflegefachkraft nach Hause, schaut sich die Pflegesituation an, gibt praktische Hinweise und sichert die Qualität der Versorgung.

Wie läuft eine Pflegeberatung ab?

Viele stellen sich Pflegeberatung als formelles Gespräch voller Fachbegriffe vor. In Wirklichkeit geht es vor allem um praktische Unterstützung, zugeschnitten auf die Situation der pflegebedürftigen Person und der Angehörigen.

Barrierearmes Badezimmer mit ebenerdiger Dusche, Haltegriffen und unterfahrbarem Waschbecken

In der Pflegeberatung werden Hilfsmittel, Wohnanpassungen und organisatorische Lösungen praxisnah erklärt.

Der erste Schritt ist meist die Kontaktaufnahme mit der Pflegekasse oder einer Beratungsstelle, um einen Termin zu vereinbaren. Die Beratung kann telefonisch, in einer Beratungsstelle oder, je nach Situation, auch zu Hause stattfinden. Zu Beginn verschaffen sich die Pflegeberatenden einen Überblick über die persönliche Lage, zum Beispiel:

  • Wie ist die gesundheitliche und pflegerische Situation?
  • Wobei braucht es im Alltag Unterstützung?
  • Welche Personen sind in die Pflege eingebunden?

Auf dieser Grundlage erklären die Pflegeberatenden, welche Ansprüche bei der Pflegeversicherung bestehen, welche Entlastungsmöglichkeiten es für pflegende Personen gibt und welche weiteren Hilfen sinnvoll sein könnten.

Ein wichtiger Bestandteil ist die Planung der nächsten Schritte. Das kann bedeuten, bei Anträgen zu begleiten, Kontakte zu Diensten zu vermitteln oder einen Versorgungsplan zu erstellen. Pflegeberatung ist damit oft kein einmaliger Termin, sondern kann ein fortlaufender Prozess sein.

Vor einer persönlichen Beratung kann es hilfreich sein, sich bereits online zu informieren. Auf curendo.de stehen kostenfreie Programme bereit, die Basiswissen rund um Pflege und häufige Pflegethemen vermitteln.

Welche Themen werden in der Pflegeberatung besprochen?

Eine Pflegeberatung betrachtet die gesamte Pflegesituation. Sie zeigt auf, wie verschiedene Hilfen sinnvoll kombiniert werden können. Typische Inhalte sind:

Leistungen der Pflegeversicherung: Pflegeberatende erklären, welche Ansprüche bestehen, wie Pflegegeld, Pflegesachleistungen oder Kombinationsleistungen. Auch Entlastungsangebote oder Zuschüsse für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen können Thema sein. So entsteht ein Überblick darüber, welche Hilfen finanziert werden können.

Entlastung für pflegende Angehörige: Ein wichtiger Bestandteil ist die Frage, wie Angehörige entlastet werden können. Dazu zählen Angebote zur Unterstützung im Alltag, Kurzzeitpflege oder Verhinderungspflege sowie Schulungen und praktische Anleitungen.

Organisation der Versorgung: Oft geht es darum, verschiedene Hilfen zu koordinieren: ambulante Pflegedienste, Tagespflege, Beratungsangebote oder ehrenamtliche Unterstützung. Die Pflegeberatung trägt dazu bei, Abläufe zu strukturieren.

Hilfsmittel und Wohnsituation: Pflegeberatende prüfen den Bedarf an Hilfsmitteln. Auch Anpassungen im Wohnumfeld können Thema sein, um Pflege zu erleichtern und Sicherheit zu erhöhen.

Vereinbarkeit von Pflege und Beruf: Für viele Angehörige stellt sich die Frage, wie sich Pflegeaufgaben mit Arbeit und eigener Gesundheit vereinbaren lassen. Auch hierzu informiert die Beratung über passende Unterstützungsangebote.

Pflegerin stützt die Hand eines älteren Mannes, der einen Igelball hält

Pflegeberatung gibt einen Überblick über alle relevanten Leistungen und Hilfen und hilft, die Pflege strukturiert zu planen.

Pflegeberatung greift damit unterschiedliche Lebensbereiche auf. So lässt sich aus vielen Einzelinformationen ein stimmiges Gesamtkonzept entwickeln. Mit Blick auf die pflegebedürftige Person und die Angehörigen.

Pflegeberatung in der Nähe finden

Wenn Sie eine Pflegeberatung in der Nähe suchen, gibt es mehrere verlässliche Wege:

  • Pflegekasse: Jede Pflegekasse bietet Beratung für ihre Versicherten an. Häufig genügt ein Anruf, um einen Termin zu vereinbaren oder erste Informationen zu erhalten.
  • Pflegestützpunkte: In vielen Städten und Landkreisen gibt es trägerneutrale Pflegestützpunkte. Sie arbeiten unabhängig und kennen die lokalen Angebote.
  • Kommunale Beratungsstellen: Viele Gemeinden unterhalten eigene Anlaufstellen für Pflegefragen, teils auch mit Hausbesuchen.
  • Online-Suche: Über die Datenbank der Stiftung ZQP lassen sich regionale Beratungsstellen zur Pflege finden.

Auf diese Weise lässt sich schnell eine passende Anlaufstelle finden.

Mit Pflegeberatung gut informiert die Pflege gestalten

Pflegeberatung hilft dabei, Orientierung zu gewinnen und die Pflege bewusst zu gestalten. Sie zeigt Wege auf, entlastet Angehörige und macht es leichter, passende Hilfen zu nutzen. So entsteht Schritt für Schritt eine Versorgung, die trägt – für Pflegebedürftige und für die Menschen, die sich kümmern.

Gesundheitsportal gesund.bund.de. (2025). Pflege: Unterstützung durch Beratung und Schulung. Internetlink: https://gesund.bund.de/beratung-und-schulung (letzter Aufruf: 4.2.2026)

Bundesministerium für Gesundheit (2025). Pflegeberatung. Internetlink: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/pflege/online-ratgeber-pflege/pflegeberatung.html (letzter Aufruf: 4.2.2026)

Bundesministerium für Gesundheit (2025). Online-Ratgeber Pflege. Internetlink: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/pflege/online-ratgeber-pflege.html (letzter Aufruf: 4.2.2026)

Verbraucherzentrale (2024). Pflegende Angehörige: Unterstützung durch Beratung und Anleitung. Internetlink: https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/gesundheit-pflege/alles-fuer-pflegende-angehoerige/pflegende-angehoerige-unterstuetzung-durch-beratung-und-anleitung-43190 (letzter Aufruf: 4.2.2026)

Stiftung ZQP (2026). Datenbank: Beratung zur Pflege. Internetlink: https://www.zqp.de/beratung-pflege/ (letzter Aufruf: 4.2.2026)

GKV-Spitzenverband (2024). Pflegeberatung nach § 7a SGB XI. Internetlink: https://www.gkv-spitzenverband.de/pflegeversicherung/beratung_und_betreuung/pflegeberatung/pflegeberatung.jsp (letzter Aufruf: 4.2.2026)